Die Moorlochtrude
D’ Partnerin vom Moorgeischd – starke Frau aus einer schweren Zeit.
Die Partnerin des Moorgeischd – tippe auf die nummerierten Punkte und entdecke Larve & Häs der Moorlochtrude.
🗣️ Punkt 3 ruft „Moor – Geischder!“ (3×)
Die Moorlochtrude ist die Partnerin des Moorgeischd und zugleich das zweite Häs der Narrenzunft Moorgeischder Weisweil e. V.
Sie steht sinnbildlich für das entbehrungsreiche und arbeitsame Leben der Frauen im einstigen Fischer- und Bauerndorf Weisweil am Rhein. Zwischen Schluten, Rheinwald, Feldern und Äckern mussten die Frauen täglich schwere Arbeit verrichten und ihre Familien oftmals unter ärmlichsten Verhältnissen versorgen.
Zugleich erinnert die Moorlochtrude an die Abgaben, welche die Bewohner des Rheindorfes einst an die Herrscher und Gutsherren leisten mussten. Ein Teil der mühsam erwirtschafteten Ernte wurde als sogenannter Zehnt in der Zehntscheuer abgegeben.
Neben der harten Arbeit auf den Feldern sammelten die Frauen Kräuter, Beeren, Pilze und andere Früchte des Waldes. Was der Rheinwald hergab, wurde genutzt, um die größte Not zu lindern und die Familien durch die kargen Zeiten zu bringen.
So verkörpert die Moorlochtrude die Mühsal, die Entbehrungen und zugleich die ungebrochene Stärke der Weisweiler Frauen.
D’ Larve
Die Larve der Moorlochtrude besteht aus zwei deutlich unterschiedlichen Gesichtshälften. Beide Seiten erzählen ihre eigene Geschichte.
Die eine Gesichtshälfte zeigt die enge Verbundenheit der Moorlochtrude mit dem Wald und der Natur. Gleichzeitig stehen die auf dieser Seite dargestellten Schmarotzerpflanzen sinnbildlich für die Obrigkeit, welche die einfachen Leute durch Abgaben und Frondienste immer weiter auszehrte.
Die andere Gesichtshälfte trägt trotz aller Last und Mühsal einen freundlichen Ausdruck. Sie erinnert daran, dass die hart arbeitenden Frauen und Mütter auch in schweren Zeiten ihre Güte, ihre Wärme und ihren Lebensmut nicht verloren.
So vereint die Larve zwei Seiten in einem Gesicht: Not und Hoffnung, Unterdrückung und Stärke sowie Entbehrung und Lebensfreude.
S’ Häs
Das Häs der Moorlochtrude ist in seinen Farben und Formen auf den Moorgeischd abgestimmt. Dadurch bilden beide Narren auch äußerlich eine erkennbare Einheit.
Die Kleidung ist bewusst schlicht gehalten und erinnert an die einfache Gewandung früherer Zeiten. Die Moorlochtrude trägt einen dunklen Mantel, an dem eine mittelalterliche Kapuze, die sogenannte Gugel, befestigt ist.
Darunter trägt sie eine langärmelige Hemdbluse aus naturfarbenem Leinen. Da Frauen zur damaligen Zeit ausschließlich Röcke trugen, wird das Erscheinungsbild durch einen langen schwarzen Rock vervollständigt.
Der Rock ist mit verschiedenfarbigen Fleckle besetzt. Ihre Farben sind dem Häs des Moorgeischd entnommen und stehen für den Wald, die Erde, das Moor, die Bäume und den Geischd.
Ringelsocken und aus Juteseil geflochtene Seilschuhe runden das Häs der Moorlochtrude ab.
So zieht sie gemeinsam mit dem Moorgeischd durch die Gassen – als starke Frau aus einer schweren Zeit, fest verwurzelt im Rheinwald und in der Geschichte des alten Fischer- und Bauerndorfes Weisweil.
Öffentliche Vorstellung
Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde die Moorlochtrude im November 2017 – im Rahmen einer Narrensitzung in Forchheim. Präsentiert wurde die neue Maske von Oberzunftmeister Maik Schneider und Protokollführerin Nicole Braunstein.
Geschnitzt wurde die Larve vom Kenzinger Maskenschnitzer Gerhard Rieder. Das dazugehörige Häs war zu diesem Zeitpunkt noch in Arbeit; gezeigt wurde bereits der Entwurf mit dunkelgrünem Mantel und schwarzgrünem Rock – ganz in den Farben des Rheinwaldes.
Quelle: Roland Vitt, „Gestatten: Moorlochtrude“, Badische Zeitung, 4. November 2017.